Sportbuzzer: “Cedric Szymczak studiert und kickt ab Januar in den USA”

Zu Beginn des neuen Jahres wird der 23-Jährige Cedric Szymczak nach Texas fliegen, um fünf Monate später als ursprünglich geplant an der Universität von San Antonio ein Sport-Stipendium wahrzunehmen. Die Verzögerung ist eine Folge der Corona-Pandemie.

Positiver Aspekt für den Lübecker und seine Mannschaft: Szymczak, der auf der linken Außenbahn unumstritten gewesen ist, war dabei, als der SV Todesfelde im August den Landespokal gewann und sich damit das Riesenerlebnis verdiente, im DFB-Pokal gegen den VfL Osnabrück antreten zu dürfen.

Sportbuzzer: Cedric, im August hat es nicht geklappt. Wie zuversichtlich bist Du, dass Du Anfang Januar in den Flieger in die USA steigen wirst?

Cedric Szymczak: Sehr zuversichtlich. Die Universität hat grünes Licht gegeben. Alle Unterlagen liegen vor, auch das Visum habe ich schon. Jetzt könnte nur noch Corona dazwischen funken.

Du hast im Rahmen eines Dualen Studiums bei einer Bank einen Bachelor-Abschluss in der Tasche. Welchen Studiengang wirst Du in den USA belegen?

Ich habe vor, in den kommenden zwei Jahren meinen Master of Business Administration zu machen.

Wie hast Du die Zeit überbrückt, seitdem klar war, dass Du nicht im August aufbrechen konntest?

Ich habe weiter bei meiner Bank arbeiten können, online bereits an der US-Uni studiert und natürlich Fußball gespielt. 

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich für ein Sport-Stipendium in den USA zu bewerben?

Torwart Alex Langer, mit dem ich früher beim VfB Lübeck gekickt habe, ist ein Kumpel von mir. Er hat diesen Weg eingeschlagen und inzwischen beendet. Langer hat mich an seine Agentur vermittelt.

Welche Bedingungen musstest Du erfüllen?

Wir haben ein Highlight-Video von mir als Fußballer gedreht und das mit etlichen weiteren Angaben auf die Website der Agentur gestellt. Daraufhin haben sich rund 20 Coaches von Universitäten gemeldet, mit denen ich gesprochen habe. Linksverteidiger scheinen begehrt zu sein. Das Angebot aus San Antonio erscheint mir das beste.

Wo wirst Du mit Deinem Uni-Team spielen?

In der ersten Division der College League.

Von dort rekrutiert die Major League Soccer, die amerikanische Profiliga, viele ihrer Talente. Träumst Du von einer Karriere als Fußball-Profi?

Ich bin da ganz entspannt. Erst einmal muss ich mich im College-Team durchsetzen. Wenn ich ein Angebot erhalten sollte, müsste ich überlegen, was ich mache. Die wissenschaftliche Ausbildung besitzt aber Priorität.

Hinter dem SV Todesfelde und Dir liegt ein unglaubliches Jahr.

Ja, es ist sensationell gelaufen. Alles, was wir erreicht haben, hatte es in der Geschichte des SV Todesfelde noch nie gegeben. Zuerst Anfang Januar der Gewinn des Hallenmasters in Kiel, dann der Staffelsieg in der abgebrochenen Saison 2019/20. Nächste Steigerung war am 22. August das 3:2 im Landespokal-Endspiel gegen den VfB Lübeck und schließlich am 12. September das 0:1 im Erstrundenspiel des DFB-Pokals gegen den VfL Osnabrück – ein Höhepunkt jagte den nächsten.

Wie schwer fällt es Dir, den SV Todesfelde nach dreieinhalb Jahren zu verlassen?

Das tut schon weh. Wir Todesfelder bilden eine grandiose Gemeinschaft. Die Integration der Neuen klappt fast immer, bei uns gibt es kein Söldnertum. Die Spieler, die Trainer, das Team um die Mannschaft und die Fans bilden eine fest verschweißte Einheit. Wir sind alle extrem ehrgeizig, haben aber auch viel Spaß miteinander. So ein Wir-Gefühl habe ich zuvor im Fußball noch nie erlebt.

Euer letztes Spiel war am 25. Oktober das 1:1 gegen den Oldenburger SV. Dann kamen der November-Lockdown und die Entscheidung des Landesverbandes, den Spielbetrieb im Amateurfußball für 2020 zu beenden.

Wenn es hilft, die Infektionszahlen zu senken, tragen wir Fußballer die Saisonunterbrechung natürlich mit. Aber es war schon schlimm, quasi von einem Tag auf den anderen auf das Hobby verzichten zu müssen. Zumal in Todesfelde seit Monaten eine riesige Euphorie herrschte.

Hast Du Dich schon von der Mannschaft verabschiedet?

Das ist ein ganz wunder Punkt. Ich hätte das gern im Rahmen eines Spiels getan, das ist nun nicht mehr möglich. Irgendetwas werde ich mir aber einfallen lassen, um persönlich Goodbye zu sagen – sofern es die Corona-Lage zulässt.

Ohne Dich wird den Todesfeldern der beste Linksverteidiger der Oberliga fehlen.

Danke für das Kompliment. Zum Glück gibt es Alternativen. Henrik Sirmais kann die linke Bahn beackern, Luca Reimers und Hendrik Wehde auch. Teamchef Sven Tramm und Trainer Bastian Holdorf werden sich etwas einfallen lassen.

Kannst Du Dir vorstellen, nach Abschluss des Studiums in zwei Jahren zum SV Todesfelde zurückzukehren?

Natürlich, aber das ist weit weg. Niemand weiß heute, wohin es mich beruflich und sportlich verschlägt. Auf jeden Fall werde ich von Texas aus ganz genau verfolgen, was in Todesfelde passiert.

// Interview erschienen am 20. November 2020 in https://www.sportbuzzer.de/artikel/cedric-szymczak-studiert-und-kickt-ab-januar-in-den-usa