Nils Petersen – Fußballstipendium in den USA als Alternative zum Profifußball

Der Bundesliga Profi des SC Freiburg, Nils Petersen, spricht im Interview mit Athletes USA – Deutschland über die lukrative Option “Fussballstipendium in den USA” als Alternative zum Profifussball. Nils spielt seit 2009 in der Bundesliga und ist der Top Torschütze in der Geschichte des SC Freiburg. In der Saison 2011/12 spielte er beim FC Bayern München und von 2012 bis 2015 für SV Werder Bremen, bevor er nach Freiburg wechselte. 2016 gewann er sogar die Silber Medaille mit der Deutschen Nationalmannschaft bei Olympia.

Im exklusiven Interview mit unserem International Manager, Chris Griebsch, spricht Nils über die Notwendigkeit sich Alternativen zum Profifussball aufzubauen. Angefangen mit einem guten Schulabschluss bis hin zu einem Plan B. Das Fussballstipendium in den USA steht bei Nils ganz oben auf der Liste für hervorragende Alternativen zum Profifussball. Mit großem Interesse verfolgt er die sportlichen Laufbahnen deutscher Fussballer, welche den Schritt in die USA gewagt haben.

Exklusives Interview mit Nils Petersen zum Thema Fussballstipendium in den USA

Chris: Nils, erstmal vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst. Für alle die Nils vielleicht noch nicht kennen, er ist ein gestandener Bundesliga Profi. Mittlerweile Top Torschütze in der Geschichte des SC Freiburg. Er hat auch bei Bayern München gespielt und die Silber Medaille gewonnen mit der Deutschen Nationalmannschaft bei Olympia. Er hat auch fast den Sprung zur Weltmeisterschaft 2018 geschafft. Nils war im vorläufigen Kader der Nationalmannschaft zur WM 2018. Es hat dann leider nicht geklappt. Dennoch ein sehr erfahrener Spieler mit einer ganz tollen Karriere, die auch noch nicht zu Ende ist.

Nils Petersen: Hallo Chris, danke für diese Vorstellung, danke.

Warum sollte man Alternativen zum Profifussball haben?

Chris: Ok, erste Frage: Wie wichtig ist es Alternativen zu haben, falls es nichts wird mit dem Profifussball? Du hast ja auch mit vielen Leuten zusammengespielt in der Jugend und dann auch später im Profibereich, die es dann vielleicht nicht bis ganz nach oben geschafft haben. Wie wichtig ist es dann auch anderweitig vorbereitet zu sein fürs Leben?

Nils Petersen: Ja, es ist wahnsinnig wichtig. Das ist glaube ich auch keine Floskel, weil natürlich erstmal jeder hört und denkt ‚ah ja weiß ich schon’. Aber am Ende gibt’s doch viele Fussballer, die alles auf eine Karte gesetzt haben und dann wirklich auf einmal ein Problem haben. Weil sie es doch nicht schaffen, weil sie sich verletzen, weil sie doch nicht dieses Niveau erreichen, weil sie durchs Raster fallen. Die Statistik lügt nicht, die Quote ist klein von den Spielern, die es dann in den bezahlten Fussball schaffen.

Dementsprechend ist es wichtig dann irgendwo auch sich eine Alternative parat zu legen wo du sagst ‚was mach ich wenn‘s nicht klappt?‘. Das ist ja überall im Leben so. Du musst ja immer irgendwie einen Plan B parat haben. Trotzdem bringt dich natürlich dieser Kampf um dieses Profi-dasein auch weiter. Du lernst Disziplin, du lernst Geduld, du lernst Akzeptanz, lernst Teamfähigkeit. Das sind Faktoren, die dann auch in anderen Sphären nochmal wichtig werden könnten, abseits vom Fussball.

Die Erfahrungen darf man auch mitnehmen, sozusagen ins Berufsleben, wenn’s nicht Richtung Profifussball geht. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich brutal wichtig die schulische Ausbildung nicht zu vernachlässigen, weil sonst bekommt der ein oder andere später Probleme. Und leider gibt es schon viele negative Beispiele. 

Nils Petersen - Fußballstipendium in den USA als Alternative zum Profifussball
Nils Petersen - Fussballstipendium in den USA als Alternative zum Profifussball

Wie wichtig ist ist eine schulische Ausbildung?

Chris: Du hast ja selber auch Abitur gemacht, in Jena damals auf der Sportschule. Wie wichtig ist auch so eine schulische Ausbildung und wie hat es dir geholfen in deiner Karriere und dann auch in deiner Karriere nach dem Profisport?

Nils Petersen: Also während der Abiturzeit war es natürlich der persönliche Stolz einfach dieses Abitur zu schaffen. Für die Familie, für mich, für mein Umfeld. So dass man auch sagen kann ‚Ich hab hier was, was mich im Leben auf alle Fälle weiterbringen würde, egal was passiert‘. Ich habe auch was zu Ende gebracht, habe es geschafft sozusagen.

Es ist einfach wichtig auch im Leben etwas zu Ende zu bringen. Während des Fussballerlebens habe ich immer gedacht ‚ich brauchte mein Abitur gar nicht’. Aber jetzt bin ich auf einmal über 30 und denke ‚zum Glück hab ich mein Abitur, zum Glück hab ich was in der Tasche wo ich mir schon mal selber bewiesen hab ich kann es’. Etwas was mir natürlich auch Türen öffnet für später, z.B. studieren, nochmal andere Wege einschlagen, Bewerbungen schreiben, da bin ich schon dankbar.

Die Fussballzeit, ich merke es selber, geht so schnell vorüber. Auf einmal kommt der Tag X wo du keine Einnahmen mehr generierst, wo sich niemand mehr für dich interessieren wird, zumindest im fussballerischen Bereich. Dann beginnt ein neues Kapitel, ein neues Leben. Diese Zeit kommt so schnell und man hat dann auf einmal noch 30 bis 40 Jahre bis zum Ruhestand. Deswegen ist es wichtig da irgendwo etwas in der Tasche zu haben, was dich auf alle Fälle auf einem anderen Weg auch weiterbringt.

Welche Kontakte und Erfahrungen hast du mit dem Thema Fussballstipendium in den USA?

Chris: Hast du selber Erfahrung mit Spielern, die im Ausland waren oder halt auch zum Beispiel ein Fussballstipendium in den USA bekommen haben? Wenn ja, wie haben die sich persönlich weiterentwickelt was hältst du davon?

Nils Petersen: Ja, ich kenn Spieler die nach Amerika gewechselt sind. Das ist natürlich dann schon eine spannende Angelegenheit. Ich beneide, dass man das machen kann. aber persönlich bin ich eher Heimatverbunden. Amerika ist super spanned aber mich hat es noch nie so weit verschlagen, dass ich sage ‚ich lass alles hier stehen und liegen und wandere aus‘.

Aufregend finde ich, wenn man diesen Weg über soziale Netzwerke auch verfolgen kann. Auch weil es einfach ein ganz anderer Fussball ist, ein ganz anderes Leben und ein ganz anderes Miteinander. Da denkt man schon, da hat man wahrscheinlich etwas verpasst. 

Wir deutschen Spieler schauen dann Bastian Schweinsteiger oder Torsten Frings an, die jetzt in Amerika gespielt hatten. Das ist für uns dann unfassbar spannend und ich habe Torsten Frings kennengelernt. Er hat mir dann vom amerikanischen Fussball erzählt und was da auch für Reisen vonstatten gehen. Das ist halt einfach auch was Anderes und da könnte ich ewig zuhören. Sonst kennen wir das ja nur aus irgendwelchen College und Highschool Filmen im Fernsehen wie es dort abgeht. So kriegst du dann auch mal wirklich live von Leuten erzählt, die es auch richtig erlebt haben.

Nils Petersen - "Ja ich kenn Spieler auch, die nach Amerika gewechselt sind. Das ist natürlich dann schon eine spannende Angelegenheit. Ich beneide das, dass man das machen kann."
Nils Petersen - "Ja, ich kenn Spieler die nach Amerika gewechselt sind. Das ist natürlich dann schon eine spannende Angelegenheit. Ich beneide, dass man das machen kann."

Was empfiehlst du Fussballer/innen die sich in einer neuen Kultur durchsetzen wollen?

Chris: Du hast ja schon mit vielen internationalen Spielern zusammengespielt. Was denkst du ist am wichtigsten, oder der beste Weg, dass man sich schnell an eine neue Mannschaft und auch an eine neue Kultur und Land gewöhnt?

Nils Petersen: Am einfachsten ist es mit Leistung. So akzeptieren dich natürlich die Mannschaft und das Umfeld, die Stadt und die Leute in der Stadt. Aber bevor die gezeigt werden kann, ist es gut sich mit der Stadt vertraut zu machen, mit dem neuen Umfeld. Viel Zeit aufwenden am Anfang, präsent sein in der Kabine, Gespräche suchen, trotzdem authentisch bleiben. Zum Beispiel nicht anzufangen besonders cool zu wirken, wenn man eigentlich ein Introvertierter Typ ist. Also die Jungs merken das glaube ich schon heutzutage, da geht das schnell.

Man hat das gleiche Hobby, man hat eine Vergangenheit. Jeden Interessiert wo man gespielt hat und das ist glaube ich das A und O. Ansonsten ist es wichtig, dass man sich auch Zeit nimmt mit den Jungs mal essen zu gehen, dass man an den Events teilnimmt und sich nicht immer aus allem ausschließt oder rausnimmt. Ich kenne das auch noch, du kommst irgendwo in einen neuen Bus, weißt überhaupt nicht wo dein neuer Sitzplatz ist und so. Heutzutage, wenn du dir einfach treu bleibst und eine authentische Person bist, da wird dir jeder helfen, das ist in einer Fussballmannschaft so! Das ist dann auch die Aufgabe vom Trainerteam, da einen Spielerrat oder eine Hierarchie zu finden, dass sich die Jungs gleich um die neuen kümmern.

Chris: Nils, vielen Dank für deine Zeit und ich möchte auch erwähnen, dass der Nils gestern zwei Trikots geschickt hat, weil es bei uns jemanden gibt dem es gerade nicht so gut geht hier. Nils, ohne mit der Wimper zu zucken, hat dann sofort die Trikots losgeschickt für einen guten Zweck. Das ist auch nicht selbstverständlich, also vielen Dank dafür. Du bist ein super Typ, bleib weiterhin so und vielen Dank für deine Zeit.

Nils Petersen: Sehr gerne, kann ich nur zurückgeben. Danke dir.